CHÂTEAU DE BOIS-BRINCON

Das Weingut Château de Bois-Brinçon liegt im Herzen von Anjou und heißt übersetzt aus dem Lateinischen Boscus Breceii,  "kleines Wäldchen". Die Weinberge des Châteaus sind wohl einige der bedeutendsten und ältesten Weinberge im Anjou und werden von dem engagierten Ehepaar Geraldine und Xavier Cailleau bewirtschaftet.

 
 

Die Weingeschichte des Château beginnt im Jahr 1219, als das Kapitel des Heiligen Johannes des Täufers von Angers beschloss, Brachland nutzbar zu machen unter der Bedingung, dass innerhalb von zwei Jahren an dieser Stelle Weinberge entstehen sollen. Das Schloss gehörte zu dieser Zeit dem Krankenhaus Saint Jean d'Angers und war ein Geschenk, samt aller Privilegien von Karl dem Kahlen, an das Krankenhaus. Die Domaine blieb bis 1791 kirchliches Eigentum, dann wurde sie vom Staat beschlagnahmt und als nationales Vermögen verkauft.

Nach der Revolution folgten mehrere Besitzer aufeinander. Im Jahr 1891 kaufte das Schloss samt aller Weinberge Léon Cailleau, ein Ölhersteller aus Brissac.  Die Familie Cailleau erlebte seitdem viele gute Jahre und erweiterte ihren Weinberg bis in die zweite Hälfte der 1950er Jahre. Dann erlebte das Bois-Brinçon in sechs Jahren drei Frostperioden. Um diese schwierige Zeit zu überleben und um Geld zu verdienen, pflanzte der Großvater Apfelbäume am Clos des Cosses. Im Jahr 1960 hörte der Großvater schweren Herzens endgültig auf, selbst Wein herzustellen und verkaufte die gesamte Ernte an eine Genossenschaft. Sein Sohn führte dies so fort und pflanzte wieder Apfelbäume. 

In den 80en Jahren, Xavier war damals noch ein Junge, besuchte er zur Erntezeit einen Onkel, der Winzer war. Er fand, dass die Ernte eine Zeit voller "glücklicher und festlicher Erinnerungen" sei, wie er sich erinnert. Nach diesem Ereignis  begann er sich zu fragen, warum in Bois-Brinçon kein Wein mehr hergestellt wird. Mehr noch, "im Alter von 12 Jahren habe ich verstanden, dass wir einen einzigartigen Ort mit einer außergewöhnlichen Geschichte haben".

1990 verfügt Bois-Brinçon über 23 Hektar Apfelbäume und 22 Hektar Weinberge. Im Jahr 1991 kam die große Veränderung, als der Enkelsohn Xavier sich dazu entschloss, Winzer zu werden und sich niederließ. Xavier studierte zunächst Baumzucht, wie sein Vater Jean, dann Weinbau und Önologie in Libourne. Seine Ausbildung umfasste Praktika in Saint Émilion bei Pascal Delbeck im Château Bélair-Monange und im Elsass bei Jean-Michel Deiss bei Marcel Deiss. Mit diesem Wissen und dieser Erfahrung ausgestattet, fing Xavier an, die Weinherstellung in Bois-Brinçon wieder aufleben zu lassen.

Er begann mit acht Hektar. Die ersten Jahre waren sehr hart, er lässt sich aber nicht demoralisieren und arbeitet beharrt weiter. Jahr für Jahr bewirtschaftet er die Parzellen des der Genossenschaft überlassenen Weinberges. 1992 stoppte Xavier den Einsatz von Herbiziden und Pestiziden und bemerkte schnell die Ergebnisse: der überschüssige Stickstoff war aufgenommen, das Leben im Weinberg regulierte sich und die Trauben zeigten allmählich das wahre Gesicht des Terroirs.

Im Jahr 2000 entschied er sich für die Anwendung der Herody-Methode, die auf der Bodenbeobachtung basiert. Dies ermöglichte es ihm, sein Terroir zu differenzieren und zu detaillieren, um seinen Bedarf zu ermitteln. Im Jahr 2006 unterzeichnete er die Bio-Charta und begann sein erstes Jahr der Umstellung.  Heutzutage bewirtschaften Xavier und seine Frau Géraldine zusammen mit einem kleinen Team die Weinberge biodynamisch. Das Château de Bois-Brinçon besitzt Weinberge, die sich auf sechs Gemeinden und acht verschiedene Terroirs verteilen. Jedes der Terroirs wird als eine spezifische Einheit betrachtet, und jede Intervention erfolgt in Resonanz mit dem Ort und den Menschen. 
Die Arbeit im Weinberg bewahrt die Vielfalt der Fauna und Flora. Biologisch-dynamische Präparate werden nach natürlichen Rhythmen und Mondzyklen und terroir-gerecht eingesetzt. Der Kompost wird aus Traubentrester hergestellt, der nach Terroirs getrennt wird, sodass er zu seinem jeweiligen Herkunftsort zurückkehrt. 

Kräutertees und Pflanzenkochungen ermöglichen es der Rebe, ihre natürlichen Abwehrkräfte zu stimulieren. Die tierische Präsenz (Hochlandrinder) nimmt an dieser ständigen Suche nach Gleichgewicht und Harmonie teil.

Die Qualität der Trauben ist entscheidend für den zukünftigen Wein. Das Chateau besitzt verschiedene Terroirs: Rhyolith (vulkanische Felsen); kalkhaltige Lehmböden/Sandstein; Kreidetuffstein /Sandstein; vulkanisches Gestein; Schiefer mit Einschlüssen von Sandstein/Quarz. Xavier glaubt, dass der Geist, den die Rebe einatmet, bis in den Keller reicht. Er vinifizert seine Weine parzellenweise, und dies spiegelt sich in allen seinen Weinen wieder. Alle seine Weine präsentieren genau das Terroir, aus dem sie stammen.

Die Philosophie von Xavier und Géraldine, biodynamisch zu wirtschaften, "erfordert die richtige Geste zur richtigen Zeit im ständigen Bewusstsein für den Respekt vor der Natur". Zu diesem Zweck probieren sie kontinuierlich neue und alternative Praktiken. Ihr Engagement erstreckt sich auf eine regionale Initiative zur Anlage von Hecken und zur Entwicklung von Naturgebieten, damit Vögel und Nutzinsekten das Gleichgewicht der Natur in und um die Weinberge wiederherstellen können.